Seit Mai 2024 arbeiten wir an unserem Klimaschutzkonzept: Es soll als Fahrplan für ein klimaneutrales Nürnberg dienen und dazu beitragen, die globale Erderwärmung auf höchstens 1,5 Grad zu begrenzen. Herzstück des Konzepts wird ein Plan mit konkreten Maßnahmen. Und dazu haben auch Sie bereits beigetragen: Fast 700 Beiträge erreichten uns während der ersten Phase unserer Onlinebeteiligung im Januar und Februar 2025. Nun haben wir diese Ideen und Vorschläge zusammen mit denen aus den anderen Beteiligungsformaten zusammengeführt und daraus Maßnahmenpakete erarbeitet.
Sagen Sie uns in der zweiten Umfrage-Phase vom 31. März bis 13. April, welche vier der elf genannten Bereiche Sie persönlich am Wichtigsten für den Klimaschutz in Nürnberg finden. Danke fürs Mitmachen!
Umfrage zum Maßnahmenplan
Wir haben die Maßnahmen des Klimaschutzkonzepts für diese Online-Beteiligung in elf verschiedene Maßnahmenpakete gegliedert. Nun möchten wir gerne von Ihnen wissen: welche davon finden Sie persönlich besonders wichtig, so dass Sie eine zeitnahe Umsetzung befürworten? Sagen Sie es uns vom 31. März bis 13. April in der zweiten Phase unserer Onlinebeteiligung.
Die Maßnahmenpakete der Umfrage im Überblick
Hier stellen wir Ihnen die Maßnahmen in aller Kürze vor, die Sie in unserer Umfrage auswählen können.
Klimaschutz wird in aktuell bereits allen Geschäftsbereichen, Dienststellen und Eigenbetrieben der Stadt Nürnberg aktiv vorangetrieben. Dennoch ist es notwendig, in den kommenden Jahren an vielen Stellen die Anstrengungen deutlich zu erhöhen, um das sehr ambitionierte Ziel einer klimaneutralen Stadtverwaltung bis 2035 tatsächlich erreichen zu können.
Zum Einen geht es hierbei um übergeordnete Maßnahmen, zum anderen um spezifische Umsetzungen in besonders energieintensiven Bereichen. Beispiele hierfür sind:
- Weitere Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED
- Weitere Umsetzung der städtischen Photovoltaik-Strategie und Prüfung der PV-Möglichkeiten auf Parkplatzflächen
- Sanierung städtischer Gebäude und Umstellung auf klimafreundliche Heiztechniken
- Klimaneutraler städtischer Fuhrpark
- Errichtung eines Blockheizkraftwerks am Klärwerk
- PV-Anlagen bei Müllverbrennungsanlage und Klärwerk
- Abscheidung von CO2 aus Klärgas-Blockheizkraftwerken und Verwendung in Gewächshäusern
Nicht zuletzt aufgrund knapper Flächenverfügbarkeiten ist die solare Stromerzeugung ein zentraler Baustein klimaneutraler Energieversorgung im städtischen Kontext. Für die Diversifizierung der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien ist es zentral, auch bestehende Windenergiepotenziale zu nutzen. Eine Erschließung der im Regionalplan benannten Neubaustandorte für Windkraftanlagen ist deshalb zu prüfen. Darüber hinaus sollten in regelmäßigen Abständen und in Abstimmung mit der Regionalplanung weitere Potenzialflächen erkundet werden. Konkrete Maßnahmen sind hier beispielsweise:
- Steuerungskonzept für den Ausbau von Solaranlagen in der Freifläche, wobei die Priorisierung auf bereits versiegelten und bebauten Flächen liegen sollte
- Unterstützung von Mieterstromprojekten in Mehrfamilienhäusern sowie Bürgersolarprojekten
- Weiterer Ausbau der Stromnetzkapazitäten auf Einspeise- und Verbrauchsseite
Speicherlösungen sind ein zentraler Baustein der Energiewende und werden bei der Ausbaustrategie für Solarenergie konsequent mitgedacht werden. Auch im Bereich der Wärmeversorgung gilt es geeignete Speicherlösungen zu integrieren. Konkret soll z.B. die Möglichkeit eines Zusammenschlusses der vorhandenen dezentralen Warmwasserspeicher im Knoblauchsland zur Pufferung für Wärmenetze geprüft werden.
Im Klimaschutzkonzept sind einige übergeordnete Maßnahmen zur Transformation der Wärmeversorgung enthalten. Für Gebiete, in denen die kommunale Wärmeplanung keine Fernwärmeversorgung vorsieht und gleichzeitig aufgrund einer hohen Bebauungsdichte die dezentrale Wärmeversorgung mittels Wärmepumpen schwierig ist, sollen quartiersbezogene Energie- und Sanierungskonzepte oder Machbarkeitsstudien erstellt werden. Diese Konzepte sollen aufzeigen, welche Energieversorgung auf Quartiersebene (z.B. Nahwärmenetze) funktionieren kann und welche Sanierungen notwendig sind. Insbesondere kommen Gebiete infrage, in denen viele Gebäude einen schlechten energetischen Zustand aufweisen. Zum Beispiel ist Folgendes integriert:
- Erstellung eines Transformationsplans für das Gasnetz
- Beschleunigung und Unterstützung des Austauschs von Öl- und Gasheizungen gegen Wärmepumpen durch Contracting-Modelle
- Ausbau des Fernwärmenetzes im Stadtgebiet und Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung
- Zwischenlösungen für defekte Heizanlagen in Gebieten, in denen künftig ein Wärmenetz installiert werden soll
Viele Akteure in Nürnberg sind dem Thema Klimaschutz gegenüber offen, wissen aber oftmals nicht, wie sie im eigenen Wirkungskreis und Alltag klimafreundlich handeln können.
Zielgruppenspezifische Kommunikation soll deshalb wirkungsvoll die Personen und Organisationen adressieren, die für die Umsetzung der Klimaschutz-Maßnahmen zentral sind.
Die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts soll außerdem durch eine breit angelegte stadtweite Kampagne begleitet werden, um ein Bewusstsein für die notwendige Transformation in der Stadtgesellschaft zu schaffen und diese in ihrer Vielfalt zum Mitmachen zu aktivieren.
Der Klimabeirat soll sicherstellen, dass die Zivilgesellschaft in den nächsten Jahren in die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts eingebunden ist. Außerdem soll er weiterhin als Multiplikator in die Stadtgesellschaft wirken.
Darüber hinaus sollen die Klimabildungsangebote in Nürnberg über einen Netzwerkaufbau gestärkt und bekannter gemacht werden.
Schon heute gibt es verschiedene Energieberatungsangebote von Seiten der Stadtverwaltung. Durch die anstehende Energie- und Wärmewende müssen zukünftig deutlich mehr Akteure im Stadtgebiet, z.B. Gebäudeeigentümer, erreicht und informiert werden.
- Zielgruppenspezifische Kommunikation an diejenigen Personen und Organisationen, die für Umsetzung der Klimaschutz-Maßnahmen zentral sind
- Eine stadtweite, breit angelegte Klimaschutz-Kampagne soll Bewusstsein für notwendige Transformation in der Stadtgesellschaft schaffen
- Der Klimabeirat soll sicherstellen, dass die Zivilgesellschaft in den nächsten Jahren in die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts eingebunden ist. Außerdem soll er weiterhin als Multiplikator in die Stadtgesellschaft wirken
- Der Aufbau eines Netzwerks soll die Klimabildungsangebote in Nürnberg stärken und bekannter machen
- Beratungsangebote von Seiten der Stadtverwaltung müssen wegen der anstehenden Energie- und Wärmewende künftig deutlich mehr Akteure im Stadtgebiet erreichen und informieren, bspw. Gebäudeeigentümer
Ein nachhaltiger Ansatz in der Stadtentwicklung und beim Bauen ist unerlässlich für eine klimafreundliche Zukunft. Der Bausektor und städtebauliche Entwicklungen tragen maßgeblich zu den CO2-Emissionen im Stadtgebiet bei. Deshalb sind auch in diesen Bereichen Maßnahmen im Klimaschutzkonzept enthalten, beispielsweise:
- Nürnberg als "Stadt der kurzen Wege" denken: Vielfältige Angebote in den Stadtteilen, so dass viele Erledigungen zu Fuß oder mit dem Rad im näheren Umfeld vorgenommen werden können. Bei neuen Entwicklungsgebieten sollte dieses Prinzip bei der Planung von Anfang an berücksichtigt werden.
- Umsetzung einer möglichst flächensparenden Stadtentwicklung: Besonders wichtig sind aus Klimaschutzsicht z.B. Teilmaßnahmen wie die Etablierung einer Baulückenbörse oder einer Wohnungstauschbörse.
- Einrichtung einer Boden- und Baustoffbörse: Das Ziel besteht darin, gebrauchte Baustoffe und Erdaushub aus Abbruch- oder Umbauarbeiten auf einer Zwischenlagerfläche zu sammeln und für eine Wiederverwendung weiterzuvermitteln.
- Implementierung von Nachhaltigkeitskriterien bei Flächenvergaben über Konzeptausschreibungen
Der Bereich der Mobilität umfasst sowohl Fuß- als auch Radverkehr sowie den öffentlichen Nahverkehr und die Mobilität per Auto. Folgende Maßnahmen sind beispielsweise im Klimaschutzkonzept enthalten:
- Mehr Verkehrssicherheit für Zufußgehende
- Höherer Komfort und größere Qualität der Fußwege
- Schaffung eines engmaschigen, lückenlosen, möglichst umwegefreien und sicheren Radwegenetzes
- Qualitativ hochwertiges und großes Angebot an sicheren Radabstellanlagen
- Optimierung und Ausweitung des Straßenbahnnetzes durch elf große Maßnahmen bis zum Jahr 2030
- Schließung von Lücken im ÖPNV-Angebot durch On-Demand-Services
- Mehr Park & Ride-Anlagen
- Weitere Elektrifizierung der Busflotte
- Ausbau der E-Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum
- Anpassung des Parkraummanagements sowie der Stellplatzsatzung
- Maßnahmen wie Verkehrsberuhigung innerhalb der Stadt oder Zuflussdosierung an Einfallstraßen
- Alternativenprüfung zum geplanten kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellwegs
Die Potenziale zur Reduzierung des Ressourcenverbrauchs Im Bereich Konsum und Ernährung gibt es große Potentiale, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren - und damit auch die Treibhausgasemissionen.
Deshalb soll beispielsweise das Nürnberger Kreislaufwirtschaftskonzept weiter umgesetzt und punktuell erweitert werden. Es zielt darauf ab, Material- und Abfallströme innerhalb Nürnbergs nachhaltig zu gestalten und Ressourcennutzung sowie CO2-Emissionen zu reduzieren. Zum Beispiel ist ein "zirkuläres Kaufhaus" angedacht, um die Wiederverwendung und Weiternutzung von Produkten zu fördern.
Zudem soll die Einführung einer kommunalen Verpackungssteuer nach dem Vorbild von Tübingen geprüft werden.
Auch klimafreundliche Lebensmittel bei städtischen Einrichtungen und Veranstaltungen wie beispielsweise dem Christkindlesmarkt sollen verstärkt in den Fokus rücken.
Natürlicher Klimaschutz durch CO2-Senken wie Wälder und Grünflächen ist ein wichtiger Baustein dazu, die Klimaschutzziele zu erreichen: sie nehmen Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und speichern es. Der Schutz und die Wiederherstellung von CO2-Senken trägt deshalb dazu bei, das Klima zu stabilisieren und natürliche Lebensräume zu erhalten. Auch in diesem Bereich sind deshalb im Klimaschutzkonzept Teilmaßnahmen enthalten, wie beispielsweise folgende:
- CO2-Speicherung durch Wiedervernässung und Begrünungsvorhaben
- Klimafreundliche Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Pachtflächen
- Optimierung der Verwertung von organischen Abfällen
- Prüfung, ob ein Pflanzenkohlekreislauf aufgebaut werden kann
Durch die Implementierung umweltfreundlicher Technologien, die Nutzung erneuerbarer Energien und den Einsatz nachhaltiger Produkte können Unternehmen maßgeblich zum Klimaschutz in Nürnberg beitragen. Es bedarf deshalb einer engen Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit den angesiedelten Unternehmen und Wirtschaftsverbänden in der Stadt.
Ein geplantes Beispielprojekt ist die Initiierung eines "Klimapakts 2040" mit Nürnberger Unternehmen. Dieser Klimapakt soll eine Selbstverpflichtung und ein Bekenntnis zu den Nürnberger Klimaschutzzielen sein. Vorbild ist der "Klimapakt 2030plus" der Metropolregion Nürnberg. Der Klimapakt Nürnberg soll symbolisch für den Aufbruch für ein klimaneutrales Nürnberg 2040 sein.
Zudem soll die gezielte Fördermittel- und Programmberatung für Unternehmen durch die Wirtschaftsförderung ausgebaut werden, um Unternehmen in ihrem Transformationsprozess zu unterstützen.
Die Stadt Nürnberg ist ein wichtiger Akteur auf dem Finanzmarkt und kann mit ihren Entscheidungen Einfluss auf den Einsatz von Finanzmitteln für nachhaltige und klimafreundliche Projekte nehmen. Folgende Maßnahmen sind Teil des Klimaschutzkonzepts:
- Insbesondere bei der langfristigen Geldanlage (beispielsweise für Altersrücklagen, Betriebsrenten und Stiftungsvermögen) soll die Stadtverwaltung Nürnberg verstärkt Klima- und Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen.
- Die Einführung eines Klimahaushalts soll geprüft werden. Dies könnte die Transparenz des städtischen Haushalts im Bereich Klimaschutz erhöhen. Zudem sollen mehr Mittel für den Klimaschutz bereitgestellt werden.
- Ausgabe von Schuldscheinen ("Green Bonds"): So könnte die Stadt Nürnberg Anlegern die Möglichkeit geben, Geld in lokale ökologische oder soziale Projekte zu investieren. Dies können etwa die Sanierung öffentlicher Gebäude, investive Maßnahmen im Bereich der klimafreundlichen Mobilität oder die Installation von Photovoltaik-Anlagen auf kommunalen Liegenschaften sein.