Luftaufnahme des Max-Morlock-Stadions mit Schriftzug der Kampagne "Zukunft Stadionareal"

Zukunft Stadionareal

1
1
50

Die Geschichte des Stadions

Haupttribüne des Städtischen Stadions, nach 1928, Bild © Stadtarchiv Nürnberg

Das Max-Morlock-Stadion befindet sich in einem Areal, dessen Historie sich an der heutigen Nutzung ablesen lässt: Als Sport- und Veranstaltungsareal, als Erinnerungsort ehemaliges Reichsparteitagsgelände und als Volkspark Dutzendteich.

Die Entwicklung und Historie des Sportareals Dutzendteich geht dabei auf die 1920er Jahre zurück, in welchen der südöstliche Bereich des Volksparks u.a. mit dem Bau des Stadions und des Stadionbads zu einem Freizeit- und Sportpark ausgebaut wurde.


1928 – 1945 Städtisches Stadion

1928 wurde das Stadion als „Städtisches Stadion“ eröffnet. Im Ursprung war es ein Ein-Rang-Stadion (also ohne Oberrang) und wurde auf aufgeschütteten Erdwällen gebaut. Lediglich die Haupttribüne war überdacht.

Entworfen wurde das Stadion vom Nürnberger Oberbaurat Otto Ernst Schweizer, einem bedeutenden Vertreter der modernen Architektur, dessen Bauten teilweise bis heute das Nürnberger Stadtbild prägen. Ihm hat das Stadion seine charakteristische achteckige Form zu verdanken. Der Architekturstil kann der „Neuen Sachlichkeit“, einem Unterstil des Bauhausstils zugeordnet werden. Dieser Stil betont klare Linien, einfache Formen und eine auf die Funktion ausgerichtete Gestaltung.

Der Entwurf der Gesamtanlage des Stadions mit angrenzendem Stadionbad und weiteren Sportanlagen geht neben Schweizer auch auf den Stadtgartenbaudirektor Alfred Hensel zurück. Diese Konzeption fand international viel Anerkennung und wurde im Eröffnungsjahr 1928 im Rahmen der Olympischen Spiele in Amsterdam mit der Goldmedaille für Architektur ausgezeichnet.

Teile der Bausubstanz von 1928 sind noch erhalten, unter anderem die Fassade der Haupttribüne, die unter Denkmalschutz stehen.

Durch die Überformung des Volksparks in der Zeit des Nationalsozialismus in den 1930er Jahren entstanden in unmittelbarer Nähe monumentale Repräsentationsbauten bzw. Freianlagen, wie beispielsweise das Zeppelinfeld oder die Große Straße. Aufgrund der modernen Architektur entsprach das Stadion nicht der Ästhetik des Nationalsozialismus. Das Städtische Stadion entsprach weder Hitlers Vorliebe noch seinem Anspruch an monumentale Propaganda-Architektur. Die Nationalsozialisten versuchten deshalb durch Errichtung von vergrößerten Zugängen, einem weiteren Eingangstor, einer „Führerplattform“ sowie einer zusätzlichen Holztribüne mit zwei Türmen auf der Gegengeraden den modernen Charakter des Stadions zu überbauen. So wurde das Stadion im Rahmen des Reichsparteitages 1935 zum „Stadion der Hitlerjugend“. Im weiteren Zeitverlauf wurde das Stadion selbst überwiegend als Sportstätte genutzt und blieb ein eher unpolitischer Ort.

Lageplan des Stadions und des umliegenden Areals, Bild © Stadtarchiv Nürnberg

1945 – 1961 Soldiers Field

Nach Ende des zweiten Weltkrieges nutzten die US-Amerikanischen Besatzungstruppen das Stadion für militärische und sportliche Zwecke. Sie prägten die Bezeichnung des Areals als „Soldiers Field“. Auch der Name "Victory-Stadium" für das Stadion ist überliefert, mit schriftlichen Quellen belegt ist er jedoch nicht. Fußballspiele fanden zu dieser Zeit nur gelegentlich statt. Mehrheitlich wurde das Stadion für überregionale Wettkämpfe der an unterschiedlichen Standorten stationierten US-Soldaten genutzt.


1961 – 1991 Städtisches Stadion

Nach Übergabe des Stadions an die Stadt Nürnberg, wurde wieder der ursprüngliche Name verwendet. Das Sportareal Dutzendteich wurde wieder als Naherholungs- und Freizeitareal von der Nürnberger Bevölkerung genutzt. Zur Gründung der Bundesliga im Jahr 1963 fand der 1. FC Nürnberg seine Heimspielstätte im Stadion und gab sein eigenes Stadion in Zerzabelshof auf. Im Rahmen des Umzugs wurde die Kapazität durch den Aufbau von zusätzlichen Tribünen erweitert.

Im Jahr 1967 wurde vor ca. 70.000 Zuschauerinnen und Zuschauern das Finale des Europapokals der Pokalsieger in Nürnberg ausgetragen, das der FC Bayern München mit einem 1:0 Sieg gegen die Glasgow Rangers für sich entschied. Aus Anlass der Olympischen Sommerspiele 1972 in München fanden 6 Gruppenspiele des Herrenfußballturniers im Städtischen Stadion statt. Für die Weltmeisterschaft 1974 wurde das Nürnberger Stadion jedoch nicht als Spielort ausgewählt, ebenso wenig für die Europameisterschaft 1988.

Vielleicht auch deshalb begann 1987 ein weiterer großer Umbau, im Rahmen dessen ein Großteil der heute sichtbaren Bausubstanz entstand. Unter anderem Oberrang, Dachkonstruktion und Flutlichtmasten wurden im Zuge des Umbaus errichtet. Die Haupttribüne sollte eigentlich in ihrer ursprünglichen Form erhalten bleiben. Da bei einem Unfall auf der Baustelle das Dach und Teile der historischen Haupttribüne einstürzten, wurde letztlich aber auch sie modernisiert und mit einem Oberrang versehen.


1991 – 2006 Frankenstadion

Nach Abschluss der Umbauarbeiten wurde das Stadion in Frankenstadion umbenannt, um die Verwurzelung in der Region zu unterstreichen. Im Rahmen der geglückten Bewerbung als Spielstätte für die WM 2006 und den Confederations-Cup 2005 wurde das Stadion ab 2003 im laufenden Spielbetrieb umfassend modernisiert und erweitert.

Das Stadion wurde auf eine Kapazität von 50.000 Sitzplätzen erweitert. Dabei wurde auf die Verbesserung des Besucherkomforts geachtet und es entstand der Stadionumlauf, an dem Kioske und Toiletten gelegen sind. Zudem wurden auch die vorher gelben Sitzschalen ausgetauscht und durch rote Sitze ersetzt. Außerdem wurden VIP-Bereiche sowie Medien- und Pressebereiche eingerichtet. Auch erhöhte Sicherheitsvorkehrungen sowie Verbesserungen der gesamten Infrastruktur waren Teil der umfangreichen Umbauarbeiten.


Fußball–Weltmeisterschaft 2006 und danach

In Nürnberg wurden 4 Gruppenspiele sowie ein Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft der Herren ausgetragen:

  • Mexiko vs. Iran (3:1) am 11. Juni 2006
  • England vs. Trinidad/Tobago (2:0) am 15. Juni 2006
  • Japan vs. Kroatien (0:0) am 18. Juni 2006
  • Ghana vs. USA (2:1) am 22. Juni 2006
  • Achtelfinale: Portugal vs. Niederlande (1:0) am 25. Juni 2006

Im Zuge eines Sponsorings wurde der Name zum 1. Juli 2006 erstmalig geändert und die Namensrechte vergeben. Außerdem erhielt das Stadion als erstes europäisches Stadion das europäische Umweltmanagementzertifikat (EMAS). In den Jahren nach der WM 2006 fanden auch Konzerte im Stadion statt, Künstler wie AC7DC, U2, Bon Jovi, Rammstein, Die Toten Hosen und Depeche Mode traten dort auf. Auch im Zuge des Festivals Rock im Park wurde das Stadion für Konzerte genutzt.


Seit 2017 Max-Morlock-Stadion

Zur Ehrung des 1994 verstorbenen Nürnberger Fußballspielers Max-Morlock wurde das Stadion 2017 umbenannt, nachdem es zwischenzeitlich EasyCredit-Stadion und Grundig-Stadion hieß. Bereits kurz nach seinem Tod benannte die Stadt Nürnberg den Vorplatz am Stadion nach ihm, das Achteck liegt seitdem am Max-Morlock-Platz 1. Aktuell ist der Name Max-Morlock-Stadion bis zum Ende des Jahres 2026 durch eine Partnerschaft des Stadions mit DATEV gesichert. Auch weiterhin wird das Stadion für große Konzerte genutzt, Rock im Park fand seither jedoch nicht mehr im Stadion statt.

Im Zuge der Covid19-Pandemie 2020 / 2021 war das Stadion zeitweise für den öffentlichen Besuch gesperrt. Nach dem Ende der Pandemie nimmt der Betrieb des Stadions wieder Fahrt auf und Fußballspiele, Business Events sowie Großveranstaltungen wie das Adventssingen oder der Firmenlauf B2Run finden dort statt.

Im Jahr 2023 wurde eine Machbarkeitsstudie zur möglichen Entwicklung des Max-Morlock-Stadions vorgestellt. Diese Studie empfiehlt den Vollumbau des Stadions. Die Planungen zur Umsetzung dieser Empfehung laufen.